Exponate des Monats
Seit Mai 2025
2026
2025
Der Abakus (Oktober 2025)
Die Obstkelter (September 2025)
Butterschleuder (August 2025)
Obbornhofener Totenkrone (Juli 2025)
Entsorgtes Gewehr (Juni 2025)
Hoftor Heimatmuseum (Mai 2025)
Juni 2026
Eismaschine
Sommer, Sonne und selbstgemachtes Eis
Wenn die Sommersonne scheint und die Temperaturen steigen, wächst bei vielen die Lust auf eine kühle Erfrischung. Heute genügt meist ein Griff ins Gefrierfach oder der Besuch der nächsten Eisdiele.
Die Eismaschine erinnert an eine Zeit, in der vieles noch selbst gemacht wurde und technische Geräte mit einfacher Mechanik funktionierten.
Bevor elektrische Gefriergeräte selbstverständlich wurden, war die Herstellung von Speiseeis noch echte Handarbeit.
Unser "Exponat des Monats" ist deshalb eine alte manuelle Eismaschine – vermutlich aus den 1950er Jahren. Solche Geräte ermöglichten es Familien, Speiseeis zu Hause selbst herzustellen und sorgten besonders an heißen Sommertagen für eine willkommene Abkühlung, lange bevor elektrische Eismaschinen und moderne Gefriertruhen zum Alltag gehörten.
Die Eismaschine besteht aus einem äußeren Behälter aus lackiertem Aluminium und einem innenliegenden Topf für die vorbereitete Eismasse. Der Zwischenraum zwischen beiden Gefäßen wurde mit einer Mischung aus Eis und Salz gefüllt. Durch diese sogenannte Kältemischung entstand eine Temperatur, die niedrig genug war, um die Eismasse langsam zu gefrieren. Über eine Handkurbel wurde ein Rührarm mit zwei hölzernen Schabern im innenliegenden Topf ständig bewegt.
Diese Schaber lösten die sich an der Wand des Innenbehälters schnell bildende Eisschicht immer wieder ab und vermischten sie mit der noch flüssigen Masse. Erst dadurch erhielt das Eis seine typisch cremige Konsistenz.
Das Kurbeln erforderte Geduld und Ausdauer – oft mussten Kinder oder mehrere Familienmitglieder mithelfen. Gerade das machte die Herstellung aber zu einem besonderen Erlebnis. Wenn schließlich das fertige Eis probiert werden konnte, war die Freude umso größer.
Eberhard Müller
Mai 2026
Tabakschneider, 1916
Vom Tabakblatt zur Zigarrenglut
Der vorgestellte Tabakschneider aus dem Jahr 1916 besteht aus einem stabilen Holzgehäuse mit Schneidmesser und Ratschenmechanismus. Damit konnten getrocknete und fermentierte Tabakblätter, je nach Bedarf für Pfeife oder Drehtabak, gleichmäßig und in einstellbarer Länge in feine Streifen geschnitten werden.
Menschen nutzen Tabak offenbar schon seit mindestens 12.000 Jahren, deutlich länger als lange angenommen. Bei Ausgrabungen im US-Bundesstaat Utah entdeckten Forscher in einer ebenso alten Feuerstelle unter anderem verkohlte Tabaksamen.
Erst nach der Entdeckung Amerikas gelangte die Tabakpflanze nach Europa. Zunächst wurde sie als Heilpflanze geschätzt: Tabakblätter legte man auf offene Wunden, Tabaksaft sollte bei Magenbeschwerden helfen. Ab dem 17. Jahrhundert verbreitete sich der Tabakanbau auch in Deutschland. Tabak wurde zu einem bedeutenden Genuss- und Handelsgut.
Gerade in ländlichen Regionen wurde Tabak häufig selbst angebaut und verarbeitet. Tabakschneider gehörten daher zur Grundausstattung vieler Haushalte und wurden meist von örtlichen Handwerkern gefertigt. Sie stehen bis heute für Eigenversorgung und handwerkliches Können früherer Generationen.
Auch in Mittelhessen spielte die Tabakverarbeitung eine wichtige Rolle. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich die Region um Gießen, Heuchelheim und Pohlheim zu einem Zentrum der deutschen Tabakindustrie mit zeitweise über 30 Fabriken. Eine der bedeutendsten war die Gail'sche Zigarrenfabrik (gegründet 1812), die über viele Jahrzehnte zu den führenden Zigarrenherstellern Deutschlands zählte.
Die Ratsche für Vorschub der Tabakblätter am Tabakschneider, einstellbar für Feinheit des Schnitts.
Oktober 2025
Der Abakus
Kugeln schieben statt Tasten tippen
Der Abakus, alte Rechentechnik
Der Abakus – das Taschenrechner-Urgestein mit Holzrahmen und Kugeln – gilt als Großvater aller digitalen Geräte. Lange bevor jemand "Excel" buchstabieren konnte, klapperten Händler im alten Mesopotamien, China und Rom mit den Kugeln, um Schafe, Münzen oder Steuern im Blick zu behalten. Während Cäsar noch überlegte, wie viele Legionen er nach Gallien schickt, schob ein Schreiber Kugeln von links nach rechts – und das Budget stand.
Genial einfach: Stäbe mit Kugeln, die man verschiebt. Addition? Ein paar Klicks. Subtraktion? Kugelschubserei. Multiplikation? Mit etwas Übung kein Problem – und ganz ohne Ladebalken, Updates oder Akku.
Der Abakus war ein Global Player: in China als "Suanpan", in Japan "Soroban", in Russland "Schoty". Und er funktioniert noch heute. Wer ihn beherrscht, rechnet oft schneller als jemand, der hektisch auf der Tastatur tippt.
Das Wort Abakus leitet sich vom lateinischen abacus bzw. griechischen ábax ab und bedeutet Tafel oder Brett. Vermutlich sumerischen Ursprungs, tauchte er schon zwischen 2700 und 2300 v. Chr. auf. Die Sumerer erkannten, dass Rechnen in Spalten effizienter war als mit Steinen, deren Form oder Größe die Zahl bestimmte.
In Europa war der Abakus im Mittelalter weit verbreitet und blieb bis ins 17. Jahrhundert in Gebrauch. Mit den indisch-arabischen Ziffern und dem schriftlichen Rechnen verlor er an Bedeutung. In Osteuropa und Asien dient er bis heute als preiswerte Rechenhilfe.
Auch Obbornhofener Kinder haben früher in der Schule mit ihm gerechnet. Der Abakus steht übrigens im ehemaligen Schulraum. Genau dort, wo sich früher im Heimatmuseums-Gebäude für einige Zeit die Schule befand.
September 2025
Die Obstkelter
Mit Druck zum Genuss – die Obstkelter
Eine Obstkelter – auch Obstpresse oder Korbpresse genannt – ist ein traditionsreiches Gerät zur Saftgewinnung. Ihr Prinzip ist simpel: Zerkleinertes Obst, die sogenannte Maische, wird in einen Korb gefüllt und durch mechanischen Druck so lange gepresst, bis der Saft (Most) austritt. Übrig bleibt das trockene Fruchtfleisch, der Trester. Der ausgetretene Saft sammelt sich in einem Becken und läuft über einen Auslass ab.
Die als Exponat des Monats September 2025 im Heimatmuseum vorgestellte Kelter ist eine Spindelkelter mit eisernem Fallkeil. Diese Bauart war seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Verkaufsschlager – praktisch die Hightech-Presse ihrer Zeit. Mit Hilfe des Fallkeils ließ sich ein langer Kelterhebel wie eine Ratsche bewegen: vor und zurück, ohne Umsetzen, stets unter Ausnutzung des Hebelgesetzes. So konnte über die Spindel ein besonders hoher Druck auf das Pressgut ausgeübt werden.
Ein weiterer Clou: der zweiteilige runde Presskorb, der nach dem Ende des Pressvorgangs einfach aufgeklappt und abgenommen werden konnte. Das erleichterte die Entnahme des Tresters erheblich.
Übrigens: Der Begriff keltern stammt vom lateinischen calcare – „mit den Füßen treten“. Genau so begann die Saftgewinnung tatsächlich: Über Jahrhunderte wurden Weinbeeren mit bloßen Füßen gestampft, bevor technische Pressen die Arbeit übernahmen.
August 2025
Butterschleuder - Butterglas
Das Butterglas – Kurbeln statt Kaufen!
Hightech um 1900 – das Butterglas war der Küchenhelfer der Stunde!
Bevor Supermärkte und Kühlschränke den Alltag bestimmten, war das Butterglas aus keiner guten Küche wegzudenken. Deckel auf, Rahm rein, kurbeln – mit ein paar Umdrehungen der Handkurbel und etwas Geduld verwandelte sich frischer Rahm in köstliche, selbstgemachte Butter – ganz ohne Strom.
In vielen ländlichen Haushalten wurde Butter nicht gekauft, sondern selbst hergestellt – frisch aus der Milch der eigenen Kuh. Das Butterglas, ausgestattet mit einem Schraubdeckel, an dem ein Rührwerk mit Kurbelantrieb befestigt ist, war dabei ein unverzichtbares Werkzeug. Der schlichte und doch ästhetische Glasbehälter ist dickwandig, quadratisch und robust – gebaut für den täglichen Einsatz in der Küche.
Mit der Industrialisierung und zunehmenden Mechanisierung hielten solche handliche Buttermaschinen Einzug in die Haushalte. Besonders im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert waren solche Geräte weit verbreitet und zeugen vom Erfindungsgeist jener Zeit – zwischen Handarbeit und den Anfängen moderner Haushaltsgeräte.
Heute erzählt das Butterglas im Heimatmuseum Obbornhofen von einer Zeit der Selbstversorgung, vom bäuerlichen Alltag und dem hohen Stellenwert handwerklicher Hausarbeit. Mit dem Aufkommen von Elektrizität und industrieller Butterproduktion verschwanden die Buttergläser langsam aus den Küchen – geblieben ist die Erinnerung an eine besondere Kulturtechnik.
Juli 2025
Obbornhofener Totenkrone
Die Totenkrone –
Symbol und Brauch in der Bestattungskultur
Die Totenkrone war ein symbolischer Schmuckgegenstand, der bei der Bestattung von Säuglingen, Kindern sowie jung verstorbenen Ledigen verwendet wurde. Belege für diesen Brauch finden sich im gesamten europäischen Raum, vor allem für den Zeitraum vom Ende des 16. bis ins 19. Jahrhundert, vereinzelt auch noch bis ins 20. Jahrhundert.
Ursprünglich diente die Totenkrone als Grabbeigabe: Sie wurde dem Verstorbenen in die Hand oder den Arm gelegt oder neben den Kopf platziert. Mit der Zeit wurden diese Kronen jedoch immer aufwendiger und kostspieliger, weshalb es üblich wurde, sie nur noch als Leihgabe der Kirche zu verwenden. Nach dem Begräbnis wurde die Krone wieder in die Kirche zurückgebracht.
Bei der Bestattung eines Kindes war es früher Brauch, die Totenkrone mit Blumen zu schmücken und sie auf dem Sarg stehend zum Grab zu tragen. Die Blumen wurden ins Grab gelegt, während die Krone von Schulkindern symbolisch in die Kirche zurückgetragen wurde.
Besondere Bedeutung hatte die Totenkrone bei der Bestattung junger, unverheirateter Frauen oder Mädchen, die vor ihrer Hochzeit verstorben waren. In diesem Kontext stand sie für Reinheit, Jungfräulichkeit und die Vorstellung einer "himmlischen Hochzeit". Da die weltliche Ehe durch den Tod verhindert wurde, galt dieser als Eintritt in eine geistige Vermählung mit Christus.
Auch bei Kindern spielte die Totenkrone eine religiös-symbolische Rolle: Sie sollte verhindern, dass die Kinderseele ins Fegefeuer gelangt – ein Ausdruck tief verwurzelter Glaubensvorstellungen jener Zeit.
Totenkronen wurden im gesamten deutschsprachigen Raum sowohl katholischen als auch protestantischen Verstorbenen gewidmet und gelten als ein bedeutendes Zeugnis der historischen Bestattungs- und Erinnerungskultur.
Die Obbornhofener Totenkrone begleitete 1971 zum letzten Mal ein Kind zum Grab.
Juni 2025
Entsorgtes Gewehr
Fundstück aus der Güllegrube:
Ein Karabiner und seine Geschichte
In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs herrschte in vielen Orten Deutschlands Chaos und Angst. Die Alliierten rückten unaufhaltsam vor, amerikanische Truppen standen bereits vor den Toren. In jenen Tagen, als Angst und Unsicherheit das Land durchzogen, wurde in vielen Dörfern rasch und heimlich "aufgeräumt". Uniformteile verschwanden, Parteiabzeichen wurden vergraben – und Waffen, wie dieser Karabiner, landeten dort, wo sie nie wieder gefunden werden sollten, hier in der Güllegrube hinter dem Haus.
Wer ihn dort versenkte – ein flüchtiger Soldat, ein ängstlicher Dorfbewohner, vielleicht der Sohn des Hauses – bleibt ein Rätsel. Sicher ist nur: Es geschah in panischer Hast, vielleicht in der Nacht, vielleicht mit zitternden Händen.
Die Jahrzehnte in der aggressiven Umgebung haben das Gewehr gezeichnet: Rost hat das Metall zerfressen, der Verschlussmechanismus ist kaum noch als solcher erkennbar. Der hölzerne Schaft ist stark verwittert und in Teilen völlig zersetzt.
Der Karabiner war vermutlich ein gängiges Militärmodell der Wehrmacht, wie beispielsweise der Karabiner 98k, der Standardwaffe deutscher Infanteristen im Zweiten Weltkrieg.
Mai 2025
Tor des Heimatmuseums
Das Exponat des Monats Mai ist das Hoftor des Heimatmuseums.
Es stammt von Erhard Reitz aus Obbornhofen.
Zwischen 1997 und 2003 wurde vom damaligen Vorsitzenden des Heimatvereins Hans Kammer bei einer Hungener Schlosserei ein neues Tor angefragt. Die erstellte eine Skizze mit einem Kostenvoranschlag. Beides entsprach nicht den Vorstellungen des Heimatvereins.
Zu dieser Zeit – Zufall?- wurde Erhard Reitz, von Beruf Schlosser, in den Vorstand des Heimatvereins gewählt, der richtige Mann für die Erstellung eines neuen Tors.
Unter Mithilfe weiterer Vereinsmitglieder erstellte Erhard Reitz ein neues und schöneres Tor. Das Material hierfür besorgte Vorstandsmitglied Karl-Otto Ruppel, der als Mitarbeiter beim Baustoffhandel Schwarz & Ulrich in Friedberg äußerst günstige Preise aushandeln konnte.
Das Tor besteht aus 3 Teilen:
einer Tür mit der Beschriftung "1967" aus goldfarbenen Metallbuchstaben (dem Gründungsjahr des Heimatmuseums) und
2 Torflügeln - jeweils mit einer Beschriftung: einmal "Heimat" und dann "Museum".























